Vom Verblühen und den gelegentlichen Vorzügen der Pflanzen vor den Tieren

Vor dem Regen heute wurden noch schnell einige der letzten Blüten unserer Wildwiese gepflückt. In diesem Jahr hatten wir lediglich einen schmalen Streifen Wiese gepflanzt, der aber üppig geblüht hat und z.T. noch immer blüht. Für das nächste Jahr haben wir uns vorgenommen, dieses Stück Wildwiese noch auszuweiten (und es vielleicht besser einzuzäunen, da unsere Hunde wenig Feingefühl besitzen und gerne mal einfach über die Pflanzen hinweg rennen). Außerdem: Einige Zwiebelsamen getrocknet; einige Blüten und ein paar Eukalyptusblätter gingen an eine Nachbarin, zum aufkochen & inhalieren. Weiterlesen

Nature Writing Evergreen No. 2 | „Der Ruf des Elfenbeinspechts war unvergesslich. Wenn er verletzt war, klang sein Schrei wie der eines Kindes.“

Was passiert wenn eine Tierart verschwindet, wenn sie tatsächlich für immer ausstirbt? Der vielfach ausgezeichnete kanadische Journalist Terry Glavin ist auf die Suche gegangen nach jenen Geschichten, die das Unwiederbringliche festzuhalten suchen, nach Tieren, die kurz vor dem Aussterben stehen, aber auch nach den Geschichten jener Menschen, die gegen das unbemerkte oder ganz einfach ignorierte Artensterben ankämpfen:

„Wir wissen, dass wir derzeit ein Artensterben erleben, wie es die Erde in den vergangenen 440 Millionen Jahren nur fünf Mal gesehen hat. Der Einfachheit halber nennen wir diese Phasen das ordovizische, das devonische, das permische (das verheerendste von allen), das triassische und das kretazeische (bei dem die Dinosaurier verschwanden) Artensterben. Von fossilen Funden wissen wir auch mit einiger Sicherheit, dass der gegenwärtige Artenreichtum möglicherweise doppelt so groß ist wie zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in der Geschichte des Lebens auf der Erde. Angesicht der zunehmenden Geschwindigkeit, mit der Arten heute aussterben, ist dieses Wissen allerdings nur ein geringer Trost.“ (49)

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Nature Writing Evergreen No. 1 | „Es sind die Tiere. Sie rächen sich an den Menschen.“

Man muss sie einfach mögen, die charmant-schrullige Ich-Erzählerin aus Olga Tokarczuks wundervollem, aber zutiefst traurigem Roman „Der Gesang der Fledermäuse“. Der Form nach haben wir es hier mit einer Kriminalgeschichte zu tun: Mehrere Männer kommen unter mysteriösen Umständen ums Leben, und auf die ein oder andere Weise scheinen die Hauptverdächtigen die Tiere zu sein. Besonders eine Schar Rehe scheint sich ein ums andere Mal verdächtig zu machen. Das ist wohl eine der auffälligsten Eigenheiten dieses außergewöhnlichen Textes – er traut den Tieren weitaus mehr an Agency zu als vergleichbare Literatur.

Dass insbesondere die Rehe mit den Todesfällen in Verbindung gebracht werden, überrascht umso weniger, je mehr der Roman über die zu Tode Gekommenen verrät: Der Besitzer einer Pelztierfarm ist ebenso unter den Toten wie ein bestialischer Jäger, erstickt an dem Knochen eines gewilderten Rehs; in dessen Schlingfallen schließlich auch ein weiteres, ebenso moralisch korrumpiertes Opfer den Tod findet. Weiterlesen

Der Wink mit dem Farnblatt. Über die unerwartete Natur

N51.44333 E7.26694 – An eben diesen Koordinaten unserer schönen blauen Welt fiel mir vor einigen Jahren ein Farnblatt ins Gesicht. Es war der Beginn einer bis heute andauernden Verliebtheit, aber natürlich wusste ich das damals noch nicht. Das lag auch daran, dass mein Verhältnis zu allem, was man landläufig unter dem wuchtigen Containerbegriff der „Natur“ versammelt, einigermaßen zwiegespalten war: Zu dreckig, zu matschig, und erst diese achtbeinigen Insekten.

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